Einfach nur atmen...

Einfach nur atmen...
Photo by Fabian Møller / Unsplash

Ich höre immer wieder von Klientinnen den Satz: "Ich habe schon öfter versucht zu meditieren, aber ich kann einfach nicht an NICHTS denken."

Im Yin & Yang Workshop am letzten Wochenende in der schönen Campelle in Flensburg ging es darum, dass die Teilnehmerinnen erleben und praktizieren, was richtig tiefe, wirkliche Entspannung bedeuten kann – fernab von bekannten Formeln wie "Jetzt denk einfach mal an nichts" oder "Wenn deine Gedanken dich ablenken, kehre einfach zum Atem zurück“.

Darum geht es in erster Linie auch gar nicht. Es gibt sooo viele verschiedene Arten der Meditation; ich bin sicher, es gibt für jede*n, auch für dich, die richtige. Aber in erster Linie geht es beim Meditieren um deine Aufmerksamkeit.


Wem oder was schenkst du aktuell die meiste Aufmerksamkeit?

Dein Atem ist ein wichtiger Begleiter deiner Aufmerksamkeit und diese gut funktionierende Beziehung wird im Alltag leider schnell vergessen. So schenken wir viel zu oft negativen und schwierigen Dingen oder unseren Sorgen zu viel Aufmerksamkeit, dem Positiven zu wenig. Das ist menschlich und tief in unserem System verankert. Wir können uns dessen aber immer wieder bewusst werden und Positives wie Mitgefühl, Liebe und Güte (auch für uns selbst) kultivieren.

Ich zeige dir heute zwei einfache und effektive Meditationen, die sich ganz einfach in deinen Tag integrieren lassen. Du wirst schon beim ersten Mal die Wirkung spüren und ich hoffe, dass sich dein System diese positive Erfahrung merkt und mehr davon möchte.

Wir starten mit deinem Atem.

Wo spürst du deinen Atem jetzt, in diesem Moment in deinem Körper?

Finde beim Einatmen drei Stellen, an denen du deinen Atem jetzt spürst.


Lass uns diese kleine Übung zusammen machen:

Du kannst sie am Schreibtisch, in der Bahn, auf dem Boden oder morgens direkt vorm Aufstehen im Bett machen. Im Liegen lässt sich der Atem noch leichter fokussieren und erleben.

Die Kleine Atempause (5 Min.)

Energy flows where attention goes...

  • Nimm dir also jetzt ein paar Minuten Zeit, suche dir eine ruhige Ecke, setz dich aufrecht auf deinen Stuhl oder Sessel hin oder entspann dich ausgestreckt im Liegen.
  • Richte deine Aufmerksamkeit auf einen konkreten Bereich in deinem Körper, z.B. deinen Bauch, deinen Brustkorb, oder umfasse mit den Händen deine seitlichen Rippenbögen, sodass der Daumen hinten und die anderen Finger vorn liegen.
  • Sei dir bewusst, dass der Atem nun genau dort unter deine Hände fließen soll und von innen Kontakt zu ihnen aufnimmt.
  • Nun atme für ein paar Minuten ruhig, langsam und gleichmäßig tief ein und aus, direkt in die Stelle, an der deine Hände gerade aufliegen.
  • Wenn du Verspannungen oder Schmerzen spürst, kannst du auch beim Einatmen direkt mit dem Atem dort hineingehen und beim Ausatmen versuchen, diese "aus dem Körper herauszuziehen". Deine Vorstellung hat mehr Macht als du denkst...
  • Und wenn du abgelenkt bist, die Gedanken abschweifen, macht das gar nichts, denn dein Körper macht den Rest für dich. Du kommst von selbst immer wieder zu deinem Körper zurück, der sich fragt bzw. dein sensomotorisches System (Wahrnehmung und Bewegung) registriert, wo die Hände gerade liegen – ganz automatisch. Und das ist viel einfacher als im Kopf zu bleiben und "an nichts zu denken".
  • That´s it!

Ganz wichtig: Gedanken DÜRFEN da sein, das sind sie ja eh.

Es fließen täglich ca. 6.000–60.000 Gedanken durch unser Gehirn. "Die Wissenschaft" ist sich da noch nicht ganz einig. Eine aktuelle Studie geht eher von 6.000 Gedanken als von bisher 60.000 aus (s. Popp-Hadalin 2026). Sehr viele Gedanken steuern wir gar nicht bewusst.

Ich leite Meditationen in der Regel so an, dass wir unseren persönlichen Gedankenstrom akzeptieren, ihm liebevoll begegnen und ihn als Grundrauschen im Hintergrund betrachten. Den Körper als aktives "Meditationsobjekt" und Verbündeten für deine Meditation einzubeziehen, ist dabei eine sehr wirkungsvolle und angenehme Erfahrung.

Der nächste I AM SPACE Achtsamkeitsworkshop findet übrigens am 21.11.2026 in der Campelle statt.


Metta - Meditation

Eine weitere wirklich sehr schöne und wirkungsvolle Meditation, die ich vor langer Zeit gelernt habe und die wir in jedem I AM SPACE Kurs oder Workshop praktizieren, ist die Metta-Meditation (auch Liebende-Güte-Meditation genannt). Sie stammt aus dem buddhistischen Traditionskreis, insbesondere aus dem Theravāda-Buddhismus. Der Begriff Metta (Pali) oder Maitrī (Sanskrit) bedeutet wörtlich “Freundlichkeit“, “liebende Güte“ oder “Wohlwollen“ und ist eine der vier unermesslichen Geisteshaltungen (Brahmavihāras), die im Buddhismus kultiviert werden. Probiere die Meditation gerne aus. Ich werde in Zukunft weitere Varianten und Infos zur Metta-Meditation teilen.

Für den Anfang probiere es gerne mit dieser (einfachen) Version (auf Dt. und Engl.):

Auch hier gilt: Lieber kürzer, dafür aber öfter meditieren … als zu schnell aufzugeben, weil du keine Zeit dafür hast. ; )

Ich wünsche dir jetzt gute und tiefe Ruhe, wo immer du gerade bist.

May you be safe

May you be free from suffering

May you be loved